Workshop - Buch

Bühnenpräsens und Mikrofonarbeit
Warum singen die Menschen? Warum wollen Sie singen?
Es ist doch ein Ausdruck von Lebensfreude, Seele und unendlich vielen Gefühlen (Trauer, Freude, Wut, Verzweiflung, Hoffnung etc.). Gesang ist niemals mechanisch und neutral zu sehen. Er weckt die tiefsten Bereiche unseres Unterbewusstseins, ein sogenanntes Urgefühl. Das sollten Sie nie vergessen wenn Sie singen.

Stellen Sie sich selbst bei der kleinsten Übung vor, dass Sie sie vor einem großen Publikum präsentieren sollen. Also mitreißend, ergreifend und belebt üben. Vermeiden Sie es, gelangweit oder ermüdend zu singen oder sich zu präsentieren, damit ernten Sie nicht den gewünschten Erfolg.

Die Ausdrucksgestaltung im Gesang wird frei vom Atem als Basis gestaltet. Keine Singmimik sondern der Atem bestimmt die Stimme und Gestik für den Gesang. Singen sollte dauerhaft entspannt und frei möglich sein, nicht gequetscht und verkrampft.

Denken Sie aber dabei auch nicht zu viel an die Atmung und den Gesang sondern Ihre Ausdruckskraft im Lied lebt von der Gesamterscheinung des Sängers.
Einen schmalen Weg, den Sie da wandern, aber höchst interessant und spannend. Das beweist die Musikbranche Tag täglich immer wieder neu. Dort gibt es keine Regeln in dem Sinne. Quereinsteiger, ausgebildete und unausgebildete Stars und Sternchen bestimmen das Bild. Alles ist möglich. Das macht diese Branche so reizvoll.

Denken Sie aber immer daran, dass Sie als aller erstes für sich selber singen, und nicht auf den Erfolg und den Zuspruch anderer angewiesen sein sollten. Das macht Sie in Ihren Entscheidungen freier. Machen Sie nur das, was Ihnen wirklich Spaß macht. Der Alltag und die Routine der Musikbranche werden schneller als Sie denken ein Stückchen der Illusionen rauben, wenn Sie wirklich den professionellen, beruflichen Weg gehen wollen.



Mikrofonarbeit
Nun noch einen kurzen Abstecher zur Arbeit mit dem Mikrofon.
Als erstes eine wichtiger Hinweis:

Üben Sie niemals mit einem Mikrofon Ihre Gesangsübungen!


Das verzerrt das Bild der Stimme und vom eigenen Können. Man verfällt dabei leicht in die falsche, flache Atemtechnik, da die Lautstärke über das Mikrofon (Mischpult) geregelt werden kann. Meist kommt so die Ganzatmung zu kurz.
Sicherlich ist Ihnen auch bei der ersten Begegnung mit einem Mikrofon aufgefallen, dass das gar nicht Ihre Stimme sein kann, die da gerade aus den Lautsprechern zu hören ist. Ebenso ergeht es Ihnen, wenn Sie ihre Stimme z.B. einmal auf einen Kassettenrekorder aufgenommen haben.

Es gehört eine gewisse Umstellung und Übung dazu, sich an diesen scheinbar veränderten Klang zu gewöhnen. Das sich die Stimme über ein Mikrofon oder auf einem Tonträger anders anhört, hat einfach mit der Kopfresonanz zu tun.

Die Resonanzräume, wie in dem Buch beschrieben, verleihen dem Ton erst den richtigen Klang. Nur hören Sie diese Resonanzen wesentlich deutlicher, als es ein Mikrofon nach außen hin wiedergeben kann. Daher kommt Ihnen Ihre Stimme so verändert vor. So ist es aber sicherlich jedem ergangen, bei der ersten Begegnung mit dem Mikrofon. Ein wenig Übung gehört schon dazu. Gewöhnen Sie sich an diesen neuen Klang Ihrer Stimme.
Nehmen Sie auch einmal Mikrofongesang von sich selber auf, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben. Auf vielen Weihnachts- oder Trödelmärkten stehen heute schon kleine Tonstudios, in denen Sie eine CD von sich machen lassen können. Aber auch wenn Sie einen Computer zu Hause haben, besteht die Möglichkeit, daraus ein kleines Tonstudio zu machen. Sprechen Sie mit Fachleuten darüber, sie erklären Ihnen sicherlich, was Sie dazu benötigen, denn diese detaillierten Informationen würden den Rahmen dieses Buches sprengen. Selbstverständlich stehen auch professionelle Tonstudios mit der ausgefeilten Technik zur Verfügung, jedoch ist dies meistens auch eine Kostenfrage.



Übungspläne
Im Gesang gilt nicht immer die mathematische Regel 1 + 1 = 2. Jede Stimme ist einzigartig und auch der Weg, diese Einzigartigkeit zu entdecken und auszubauen, ist so individuell wie jeder Mensch. Zwar gibt es grundsätzliche Kenntnisse, aber der Weg dort hin ist individuell gestaltet. Daher sind Übungspläne nur ein Anfang und Anhaltspunkt. Oft weiß man nicht so recht, was man üben soll und in welcher Reihefolge man denn die Übungen starten soll. Gerade Anfänger haben da ihre Probleme. Daher sollen diese Übungspläne Anregungen sein, die nach persönlichem Belieben und Erfahrungen jederzeit in ihrer Zusammenstellung erweitert werden können. Man sollte nur sinnvoller Weise die Reihenfolge beibehalten.

1. Körperliche Aufwärmübung
2. Atemübung
3. Gesangsübung

Wenn Sie sofort mit Gesangsübungen starten, ist der Rest des Körpers nicht optimal vorbereitet. Dies sollten Sie nur als Fortgeschrittener in der Gesangsausbildung machen.
Oft zeigt sich die Situation, dass man gerne üben möchte für 20 oder 30 Minuten. Bis man dann allerdings herausgefunden hat, welche Übungen man gerne machen möchte, ist die Zeit auch schon wieder vorbei. Oder man beginnt sofort mit Gesangsübungen ohne sich vorher richtig vorbereitet zu haben mit Atem- oder Körperübungen. Die Folge davon ist ein noch unangenehmeres Gefühl als vor dem Einsingen. Das hat wiederum zur Folge dass oft daraus geschlossen wird, dass das Einsingen und Üben sowieso keinen Erfolg hat und somit überflüssig ist.

Mit der Zeit werden Sie sicherlich Ihren ganz persönlichen Übungsplan für sich zusammenstellen, den Sie dann regelmäßig üben und erweitern können. Wichtig ist, dass Sie einen gewissen Übungsplan haben, er erleichtert das tägliche Üben, und es gibt eine gewisse Routine.

Noch ein wichtiger Gedanke:
Manche Übungen oder auch Erläuterungen über die Zusammenhänge des Gesangskörpers werden Ihnen vielleicht banal oder abwegig erscheinen. Denken Sie dann bitte immer daran, wie weit wir uns schon im Alltag vom natürlichen Verhalten entfernt haben. Gerade die einfachen und banalen Dinge erscheinen uns daher oft unlogisch und falsch. Die Welt ist verdreht. Lassen Sie sich Zeit, sie neu zu entdecken wie ein Kind. Für ein Kind ist der erste eigene Schritt beim Laufen die Öffnung der „großen, weiten Welt“. Für Sie ist es alltägliche Routine, wenn Sie gesund sind. Machen Sie sich bewusst, dass der Weg zur Routine im Gesang auch für Sie über den ersten unbeholfenen Schritt führt.
Lassen Sie sich zu Beginn sehr, sehr viel Zeit mit jeder Übung, es wird sich später tausendmal bezahlt machen.


Und denken Sie immer wieder daran: Auch an das Üben sollte man professionell und diszipliniert herangehen, vor allen Dingen aber mit ganzem Herzen. Üben Sie immer so, als ob Sie bereits einen öffentlichen Auftritt haben und dem Publikum Ihre Übungen vortragen wollen.

Korrektes Üben
Aller Anfang ist schwer, und Sie sollten sich immer nur auf eine Sache konzentrieren. In den ersten Wochen achten Sie z.B. besonders auf den Kiefer, und Sie beobachten und korrigieren sich ausschließlich diesbezüglich. In den darauffolgenden Wochen ist dann die Zunge an der Reihe, und so beobachten Sie im Laufe der Zeit den gesamten Gesangskörper, bis sich eine gewisse Sicherheit einstellt und Sie den gesamten Gesangskörper einsetzen können.
Die korrekte Atmung und alle Elemente des Gesangskörpers bei den Teilübungen nie vergessen.
Hierbei wäre zur Kontrolle ein erfahrener Gesangslehrer erforderlich und äußerst ratsam, um Fehler sofort auszuschalten.

So weit die kleine Leseprobe. Ich hoffe, sie hat Sie neugierig gemacht und Sie haben Lust bekommen auf das komplette Lehrbuch.

 

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