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Atmung / Zwerchfelltechnik
Das Zwerchfell bezeichnet keine Hautpartie an unserem Körper oder irgendein inneres Organ, sondern es ist eine querliegende, nach oben kuppelförmig gewölbte Muskelplatte, die den Brustkorb von der Bauchhöhle trennt. Das heißt, dass oberhalb des Zwerchfells die Lunge etc. ist, und unterhalb die inneren Organe. (Siehe Abbildung)
Der Bauch ist die untere Rumpfhälfte, die nach oben hin vom Brustkorb, nach unten hin vom Becken begrenzt wird. Für den Gesang ist es wichtig zu wissen, dass dieser Bauch so ungefähr in Bauchnabelhöhe eingeteilt wird in den oberen und unteren Bereich. Bei der Atemstütze (wird später noch genauer erklärt) wird der obere Teil des Bauches in der Einatmungsstellung gehalten und nur der untere Teil (Unterleib, Leistengegend) gibt dem Spannungsgefühl nach innen nach und zieht sich langsam zusammen. Vom tiefsten Punkt ausgehend und gleichmäßig von beiden Leistenseiten aus. Dies geschieht aber alles angenehm gespannt und niemals gepresst und mit viel negativem Druck (Bauchpressen).

Die Flanken, (dies ist kein medizinischer, sondern ein gesangstechnischer Ausdruck) damit bezeichnet man die Rückenseite in Bauchhöhe, in die sich das Zwerchfell ebenfalls ausdehnt. Man atmet also nicht nur nach vorne in den Bauch, (Blähbauch, Bauchatmung) sondern rundherum (Ganzatmung), da das Zwerchfell sich somit in seiner ganzen Fläche ausbreitet. (siehe Übung 2 „Baumgefühl“)

Das soll als kurze, fachliche Erläuterung reichen. Wen mehr darüber interessiert, dem steht die medizinische Fachliteratur zur Verfügung. Zu bedenken sei nur, dass Sänger mit viel Vorstellungskraft arbeiten, die oft weniger mit den medizinisch vorhandenen Organen oder Räumen in unserem Körper zu tun hat. Selbstverständlich ist die Lunge unser Atmungsorgan im Körper und nicht der Bauch.

Es ist in diesem Zusammenhang aber nur folgendes wichtig:
Der Bauch- / Flankenbereich ist unser Zentrum. Nicht von ungefähr kommen die Ausdrücke, „Mir ist so flau im Magen“ oder „Wut im Bauch haben“ oder „Aus dem Bauch heraus handeln“. Herzhaftes, inniges Lachen ist eine natürliche Zwerchfelltätigkeit, oder bitterliches Weinen geschieht auch „aus dem Bauch heraus“.
Um diesen Mittelpunkt des Körpers zu entdecken, brauchen Sie die Tiefenatmung oder Ganzatmung, die Sie sich dann beim Singen oder Sprechen zu nutzen machen können und sollen.

Gesang entsteht im Hals
Bevor wir genauer auf die Atmung eingehen, noch eine grundsätzliche Information über die Zusammenhänge beim Singen, denn auch dort fängt schon die falsche Vorstellung an. Viele meinen, dass beim Gesang nur die Stimmlippen beteiligt sind, das ist bei weitem nicht so! Genauer betrachtet, passiert nämlich viel mehr.

Das Wichtigste beim Gesang ist die richtige Atemtechnik

Die Luft wird dabei mit Hilfe der Zwischenrippenmuskeln und des Zwerchfells bei der Ausatmung aus der Lunge gedrückt. Sie geht über die Luftröhre in den Kehlkopf und bringt dort die Stimmlippen in Schwingung. Erst durch den guten Atemfluss kann der von den Stimmlippen erzeugte Ton über die Resonanzräume seinen vollen Klang erhalten. Diese werden dabei mit Luft gefüllt z.B. die Nebenhöhlen. Bei Knochen ist dies natürlich nicht möglich, sie dienen dann in diesem Zusammenhang als Resonanzkörper. Die Luft gerät in Schwingung , so dass der Ton sein Volumen erhält.
Durch das Absenken des Zwerchfells beim Einatmen wird die Luft in die Lunge hereingezogen. Je mehr also das Zwerchfell aktiviert ist, umso besser kann die Luft einfließen. Bei der erneuten Ausatmung geht das Zwerchfell wieder nach oben in seine Ausgangsposition zurück.

Man sieht also, wie viel mehr vom Körper an der Klangerzeugung beteiligt ist, als nur die Stimmlippen! Also weg vom „Halsdenken“ beim Singen. Der Hals ist immer nur unser offenes Durchgangsrohr für die Luft. Sobald Sie im Hals ein Spannungsgefühl fühlen, wird mit der falschen Technik gearbeitet. Versuchen Sie in diesem Moment einfach noch mehr an die Tiefenatmung zu denken und die Spannungen vom Hals in den Bauch-/ Flankenbereich zu schicken. Mit etwas Phantasie und Ausdauer gelingt dies mit der Zeit immer besser. Man muss sich nur beobachten und „am Ball bleiben“.

Die Atmung sollte mühelos und geräuschlos sein. Ein sparsamer Verbrauch der Luft bei der Ausatmung ist wichtig. Wenn bei der Atmung hörbare Geräusche entstehen, so verrät dies, dass eine übermäßige Spannung im Kehlkopf auch in der Pause verbleibt. Die Stimmlippen öffnen nicht komplett. Dieses Geräusch entsteht bei der Mundatmung.

Es ist nicht wichtig, wie viel Luft sie geatmet haben, sondern wie sie mit der vorhanden Luft arbeiten und diese in Schwingung versetzten. Ein Vogel, so klein er auch ist, kann so laut zwitschern, ein Baby so laut schreien...

Und noch ein Hinweis:

Atemmuskeln sollten nicht dauerhaft getrennt von der gesamten Körpermuskulatur trainiert werden. Z.B. das ständige Üben der Ein- oder Ausatmung ohne Körperspannung. Atmen soll ja keine Kraftleistung sein, nach dem Grundsatz: “Wie viel Luft kann ich mit einem mal Luftholen speichern?“ Sondern der gesamte Körper sollte koordiniert trainiert werden.


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